Dienstag, 1. November 2011

Die Seefracht ist auch da!

Im Oktober kam die Seefracht an, das ganze Haus wurde mit Kisten vollgestopft, vom Keller bis zum Dach. Und man glaubt es kaum, es gab nicht einen Schaden auf dem Transport!

Im Lager hatten wir einen vierstelligen Schaden, da die Sachen dort nicht richtig verpackt waren und auf der kurzen Fahrt ins Lager im LKW kaputt gegangen sind. Aber auf der langen Reise von China bis nach Deutschland im Container, der nicht nur auf dem LKW gefahren ist, sondern auch auf dem Schiff viel größeren Belastungen ausgesetzt war, ist nichts zerbrochen, nichts verschimmelt, es ist alles heil geblieben, kaum zu glauben!

Das Auspackteam hier in Deutschland war auch sehr freundlich und hat effektiv gearbeitet. Zwei Tage haben sie gebraucht mit Ausladen und Auspacken, es sah hier aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, aber wir wußten ja, was auf uns zukommt.

Nun müssen nur noch "ein paar" Kisten ausgepackt werden, für die es noch keinen Zielort gab, ein paar Möbel fehlen uns noch, die wir neu besorgen werden. Und das, was schon ausgepackt wurde, muß noch richtig eingeräumt werden, da für Struktur und Ordnung keine Zeit war....

Donnerstag, 29. September 2011

Das Ende naht!

Nachdem der Lagercontainer ausgepackt ist, die Schäden gemeldet sind, wie erwartet war ziemlich viel kaputt gegangen, da ja für den Lagercontainer dieselben Deppen gepackt haben wie für die Seefracht, ist das Ende nun abzusehen: unser See-Container hat Deutschland erreicht und wird nach der Zollabfertigung nächste Woche zu uns kommen.

Wir sind gespannt, ob alles die Reise gut überstanden hat, oder ob es in der Seefracht auch so viele Schäden gegeben hat wie im Lager. Klingt schon paradox, wie soll etwas beim Rumstehen kaputt gehen, aber so dilettantisch wie die Sachen verpackt wurden, sind die Schäden vermutlich beim bloßen Umladen der Kartons vom LKW ins Lager und zurück entstanden.

In der Luftfracht, die ja schon länger bei uns ist, gab es auch ein paar Schäden, die entstanden sind, weil zu viel Druck ausgeübt wurde, vielleicht beim Umpacken der Kartons in die großen Kisten für die Luftfracht. Meine zerbrechlichen Lieblingsstücke haben die Reise aber gut überstanden, das ist ja schon mal was.

Hoffentlich sind auch die chinesischen Souvenirs heil geblieben, die wir hier in Europa schlecht nachkaufen können, aber so gut wie alles andere ist zum Glück ersetzbar.

Wenn nun der Seefracht-Container hier und ausgepackt ist, müssen wir nur noch etliche Kisten auspacken und die Scherben zusammenkehren, dann ist unser Abenteuer China zunächst einmal beendet. Die Erinnerungen bleiben in jedem Fall und es wird uns sicher noch das eine oder andere Mal nach Asien verschlagen - und sei es nur für einen Urlaub.

Montag, 19. September 2011

"Das geht nicht!" - Aber doch!

Heute morgen durfte ich eine allzugut bekannte aber doch fast vergessene Erfahrung mit der Kleinbürgerlichkeit mancher Leute machen, die es in China nicht gibt: "Das geht nicht!"

Ich brachte Junior zur Schule und stellte dazu das Auto hinter dem Schulgebäude auf einen Parkplatz, an dem ein Schild hing mit der Aufschrift "Hort". Gut, dachte ich, der Hort macht ja erst um elf auf, es sollte also kein Problem sein, Junior kurz zur Tür zu bringen, die etwa 30m entfernt vom Parkplatz liegt.

Aber während ich noch aussteige und ums Auto gehe, um Junior beim Aussteigen zu helfen, geht schon ein Fenster auf und eine Frau meint zu mir: "Sie, da können Sie aber nicht stehen bleiben, da steht Hort! Das geht nicht!" Ich antwortete, daß ich Junior ja nur kurz zur Tür bringe und in einer Minute wieder hier bin und der Hort doch erst um elf aufmacht. Da war sie sehr aufgeregt und meinte, aber ihre Kollegin komme doch gleich und wieder "das geht nicht!"

Nun, es ging doch, das Auto blieb stehen und ich habe ohne lange zu fackeln Junior zur Tür gebracht und verabschiedet, während die Dame wohl etwas frustriert zurückblieb. Als ich zurück zum Auto kam, sah ich, wie sie gerade telefonierte und sichtlich erregt gestikulierte. Ich machte ihr Zeichen, daß ich mit ihr reden wollte, also kam sie etwas widerwillig noch mal zum Fenster und sagte noch einmal ihr Sprüchlein auf mit "das geht nicht!".

Ich zeigte Verständnis für ihre Situation und sie erwähnte noch, daß sie jeden Morgen diskutieren müsse und daß sie ja jetzt offensichtlich schon da sei, auch wenn der Hort erst um elf aufmacht, und - genau - "das geht nicht!" Ich besänftigte sie dann ein wenig, ging auf sie ein und meinte, daß ich ja jetzt Bescheid wüßte und daß das nicht mehr vorkomme. Sie meinte dann nur noch "ja gut!", offenbar hatte sie nicht damit gerechnet.

Als ich dann wieder einstieg und wegfuhr dachte ich so bei mir, wie ich wohl früher reagiert hätte, wäre ich wieder eingestiegen und hätte umgeparkt? Hätte ich mich geärgert oder womöglich noch ein schlechtes Gewissen gehabt? Na, letzteres wohl eher nicht, aber ich hätte mich geärgert, ganz sicher.

Heute denke ich mir nur, arme Frau, wenn sie ihre morgendliche Pflichterfüllung in der vehementen Verteidigung eines Parkplatzes für ihre Kollegin sieht, dann tut sie mir nur leid. Ich kann verstehen, daß es sie ärgert, wenn es Leute gibt, die dort parken, wo doch extra ein Schild dran steht, aber wenn das ihre Welt ist....

An solchen Situationen merke ich, wie ich mich in den letzten drei Jahren verändert habe. Früher hätte ich mich geärgert über diese Kleinbürgerlichkeit, hätte mir so etwas den Tag versauen können, heute lächle ich darüber, weiß ich doch, daß sie es nicht anders kennt und nicht anders kann.

Ich gehe viel gelassener mit solchen Konflikt-Situationen um, nehme einfach den anderen den Wind aus den Segeln oder sage mir, ey, ich habe drei Jahre China überlebt, da kann mich doch so eine Kleinigkeit nicht schocken und mich schon gar nicht aufregen!

Ich habe in den letzten drei Jahren gemerkt, ich habe nur ein Leben, mein Leben, beschränkte Zeit, wozu soll ich mir das von anderen Leuten bestimmen lassen? Ich lasse mir keine Vorschriften mehr machen, ich schränke mich nicht mehr unnötig für andere ein, ich lebe so, wie es mir gut tut, psychisch wie physisch.

Bei Juniors Einschulung letzte Woche habe ich in der Aula der Schule Sprüche von älteren Schülern auf Bildern an der Wand gelesen zum Thema, was ihnen wichtig ist. Ein Spruch davon war altbekannt, den haben wir schon in jungen Jahren in Poesie-Alben und Hefte geschrieben, ohne zu wissen, was er eigentlich bedeutet: Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum!

Es geht nicht um Träume, es geht darum, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, sich nicht fremdbestimmen zu lassen, und genau das habe ich gelernt. Ich bin meines eigenen Glückes Schmied, wenn ich mein Leben selbst gestalte, bin ich zufrieden und glücklich, ich sage selbst, wo es langgeht, nicht andere, und das ist gut so.

In diesem Sinne, auf ans Werk! Carpe diem!

Donnerstag, 15. September 2011

Ach übrigens, da war noch was!

Genau das sagte Männe zu mir und meinte noch dazu, jetzt sind wir ja wieder in Deutschland, jetzt könne er es mir ja sagen. Mir schwante schon, daß es sicher was mit meinen ganz speziellen Freunden zu tun hat und fragte: "Kakerlake?" Männe meinte nur: "Ja!"

Und dann erzählte er mir von einer Begegnung mit einer Kakerlake aus dem Jahre 2009, die er mir wohlweislich verschwiegen hat: eines Abends, kurz bevor wir ins Bett gehen wollten, schlug er die Bettdecke unseres Bettes zurück und - genau - in meinem Bett saß und krabbelte eine Kakerlake!

Männe meinte, wenn er mir das damals erzählt hätte, dann wäre ich womöglich nie wieder ins Bett gegangen, wer weiß, geekelt hätte es mich sicher und diese eine Nacht hätte ich wohl tatsächlich nicht dort verbracht.

Hier und jetzt bei uns gibt es jedenfalls keine Kakerlaken, nur Fliegen, und Junior findet Deutschland inzwischen ganz klasse, weil es hier immer Salami und Eistee gibt, was will man mehr!