Donnerstag, 8. April 2010

Nebel und Paparazzi

Nun wird es endlich mal wieder Zeit für einen Blog-Eintrag! Seit einer Woche haben wir wieder Besuch, da bleibt wenig Zeit fürs Internet, also leider auch nicht für den Blog, da wir viel unterwegs sind.
 
Das letzte Wochenende haben wir etwas verlängert und ein paar Tage in Guilin und Yangshuo verbracht, um die Reisterrassen und die tollen Berge dort zu sehen. Die Berge haben wir gesehen, die alten Häuser auch, nur die Reisterrassen wollten nicht so wie wir und haben sich im dichten Nebel versteckt. Die konnten wir nur auf Plakaten bewundern. Während der Fahrt dorthin haben wir kleinere Reisterrassen gesehen, aber die "richtigen" blieben verborgen.
 
Auch die Flußfahrt von Guilin nach Yangshuo war von Nebel geprägt, dafür waren wir wegen des Nebels und wegen des Niedrigwassers teilweise allein auf dem Fluß unterwegs, was auch was für sich hatte. Zur Hochsaison sieht man das Wasser kaum vor Ausflugsbooten, nun war es teilweise spiegelglatt. Wir hatten ein kleines Bambusfloß gemietet, das quasi keinen Tiefgang hat, also auch bei 20cm Wassertiefe fahren kann.
 
Negative Erfahrungen durften wir leider wieder mit den verrückten Chinesen machen, die anscheinend noch nie ein blondes Kind gesehen haben. Ständig wurde unser Junior fotografiert, einmal wurden wir sogar regelrecht verfolgt. Dieser Chinese ist uns durch die halbe Stadt nachgegangen und wollte sich immer wieder anschleichen, um Fotos zu machen, hat sich dabei aber mehr als dämlich angestellt. Einmal bin ich auf ihn zu und habe ihm gesagt, wenn er ein Foto will, dann soll er gefälligst dafür bezahlen, ich hatte echt die Faxen dicke. 
 
Als er dann noch einmal so richtig aufdringlich wurde, haben wir ihn mit einem kleinen Sprint verjagt und ein Stück durch die Stadt verfolgt, ich schätze mal, der rennt immer noch! Wirklich erwischen wollten wir ihn ja eh nicht, aber er hat die Beine in die Hand genommen und gemacht, daß er davon kam. Die umstehenden Passanten dachten vermutlich, wir jagen einen Taschendieb. Junior hat dann die Kapuze aufgesetzt und hatte etwas Ruhe. So extrem wie in Yangshuo haben wir die Fotografiererei schon lange nicht mehr erlebt.
 
Insgesamt war es aber ein schöner Miniurlaub, den wir im Oktober wiederholen werden, mit dem nächsten Besuch und hoffentlich schönerem Wetter, wir freuen uns drauf!
 

Montag, 29. März 2010

Hunde an der Ampel und es gibt Leben in dieser Stadt!

Als ich heute in die Stadt zu einem Treffen gefahren bin, gab es wie immer viele rote Ampeln auf dem Weg.
An roten Ampeln ist es hier üblich, daß Straßenhändler um die Autos laufen und irgendwelchen Krimskrams verkaufen, von Lenkradschonern über Handyladegeräte bis hin zu duftenden Blumen für den Rückspiegel. Heute habe ich etwas gesehen, was ich bisher noch nicht erlebt habe: Ein Mann lief zwischen den Autos hindurch mit einem kleinen Hundewelpen auf der Hand und hat diesen zum Verkauf angeboten. Ich nehme an, er hatte noch mehr irgendwo am Straßenrand oder sonstwo. Der kleine war sicher noch keine zwölf Wochen alt.
 
So ist das hier, China ist ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Alles ist möglich, solange der Preis stimmt. Wenn einer Geld damit machen kann, Hundewelpen an der Ampel zu verkaufen, dann tut er das. In welchem Zustand der Welpe ist, ist natürlich fraglich, aber sobald der Hund verkauft ist, ist das ja nicht mehr sein Problem. Und der Händler wird vermutlich eher nicht noch einmal an dieser Ampel Hunde verkaufen, wenn er denn heute einen dort verkauft hat.
 
Aber es gibt auch positives zu berichten, jedenfalls aus Expat-Sicht: ENDLICH hat ein Starbucks den Weg hier in die Stadt gefunden! Heute bin ich an dem Laden vorbeigekommen, wo er einziehen wird, mit einem riesigen Plakat davor: Opening soon! We look forward to serving you amazing coffee, we just have a few things to take care of first. Pardon our mess! Endlich müssen wir nicht mehr nach Macao oder Hong Kong gehen, um mal einen guten Kaffee oder eine gute heiße Schokolade zu trinken! Es gibt also doch Leben in dieser Stadt, man darf die Hoffnung nie aufgeben! ;-)
 

Dienstag, 23. März 2010

Neues aus der Google-Ecke

Es gibt Neuigkeiten aus Googles Streit mit China um die Zensur der Suchergebnisse. Ab sofort leitet Google seine Seite google.cn nach Hong Kong weiter, wo die Suchergebnisse unzensiert dargestellt werden. Bei heute.de heißt es "Google wagt die Kraftprobe mit China".
 
 
Die chinesische Regierung ist natürlich entsprechend sauer und droht mit Konsequenzen bis zum Rausschmiß Googles aus China.
 
Sehr viel hat die Regierung aber gar nicht zu befürchten. Selbst wenn die Suchergebnisse unzensiert und ungefiltert angezeigt werden, sind die entsprechenden Links ja durch die vielen Sperren nicht aufrufbar. Ich finde über google.de viele Videos bei Youtube, myvideo & Co., aber die Seiten sind alle gesperrt.
 
Und wer die Sperren umgehen will, der findet einen Weg, da halten einen ein paar zensierte Suchergebnisse nicht auf. Es ist zwar manchmal umständlich, aber es geht, solange man überhaupt einen Zugang zum Internet hat.
 
 
 

Freitag, 19. März 2010

Wenn die Haare nach dem Kalender geschnitten werden

In China ist es vor Chinese New Year neben dem Großputz auch üblich, sich noch kurz vor dem Fest die Haare schneiden zu lassen, weil das Glück bringen soll. Eben habe ich in der Zeitung noch einen anderen Grund gelesen, der auch mit dem hier sehr verbreiteten Aberglauben von Glück- und Unglücksbringern zusammenhängt:

Im neuen Jahr dürfen die Haare nicht vor dem zweiten Tag des zweiten Monats geschnitten werden, weil das Unglück bringt und dann der Onkel der Mutter stirbt! Schneidet man die Haare genau am zweiten Tag des zweiten Monats, bringt das Glück und man verbringt hoffentlich ein erfolgreiches Jahr!

Außerdem ist der zweite Tag des zweiten Monats der Tag, an dem der Drache seinen Kopf erhebt. Werden am gleichen Tag die Haare geschnitten, beginnt das Jahr ganz besonders gut.

Auf jeden Fall beschert der Aberglaube den Friseuren an diesem Tag ein volles Haus, im Gegensatz zum vorangehenden Monat können sie sich dann vor Kundschaft kaum retten. Nach so langer Zeit seit dem letzten Haarschnitt ist ein Friseur-Besuch meistens auch dringend nötig.

So, und wie war das doch gleich noch mit dem Onkel der Mutter? Darauf muß man erst mal kommen, und das war so:

Vor langer langer Zeit gab es irgendwo in China einmal einen sehr armen Friseur. Er liebte seinen Onkel (mütterlicherseits!) sehr, hatte aber kein Geld, seinem Onkel ein anständiges Geschenk zum neuen Jahr zu kaufen. Also machte er seinem Onkel einen neuen Haarschnitt zum Geschenk, der den Onkel viel jünger aussehen ließ, als dieser in Wirklichkeit war. Der Onkel war begeistert und sagte, das sei das beste Geschenk gewesen, das er jemals bekommen habe, und er wolle ab sofort jedes Jahr einen neuen Haarschnitt als Geschenk zum neuen Jahr.

Irgendwann war aber auch der Onkel alt und starb. Der Neffe war sehr traurig und vermißte seinen Onkel sehr. Jedes Jahr zum neuen Jahr trauerte er besonders um seinen Onkel und weinte viel.

In den Jahren, in denen diese Geschichte erzählt wurde, wurde irgendwann aus dem "Gedanken an den Onkel" am Anfang des neuen Jahres, der "Tod des Onkels" am Anfang des neuen Jahres, da beide Ausdrücke im Chinesischen fast gleich klingen, "sī jiù" und "sĭ jiù".

Der zweite Tag des zweiten Monats war letzten Mittwoch. Haare geschnitten haben wir nicht, nur gewaschen. Und wenn ich es so recht überlege, hat Männe im ersten Monat nach Chinese New Year einen neuen Haarschnitt verpaßt bekommen. Ich muß gestehen, ich weiß nicht, ob seine Mutter noch einen Onkel hat, glaube aber nicht. Zumindest habe ich nie Geschwister seiner Oma kennengelernt, also wenn es da mal einen Onkel gab, ist der vermutlich schon eine Weile tot. Bliebe nur noch die Frage zu klären, ob da vielleicht jemand zum falschen Zeitpunkt die Haare geschnitten hat!? ;-)