Donnerstag, 15. September 2011

Ach übrigens, da war noch was!

Genau das sagte Männe zu mir und meinte noch dazu, jetzt sind wir ja wieder in Deutschland, jetzt könne er es mir ja sagen. Mir schwante schon, daß es sicher was mit meinen ganz speziellen Freunden zu tun hat und fragte: "Kakerlake?" Männe meinte nur: "Ja!"

Und dann erzählte er mir von einer Begegnung mit einer Kakerlake aus dem Jahre 2009, die er mir wohlweislich verschwiegen hat: eines Abends, kurz bevor wir ins Bett gehen wollten, schlug er die Bettdecke unseres Bettes zurück und - genau - in meinem Bett saß und krabbelte eine Kakerlake!

Männe meinte, wenn er mir das damals erzählt hätte, dann wäre ich womöglich nie wieder ins Bett gegangen, wer weiß, geekelt hätte es mich sicher und diese eine Nacht hätte ich wohl tatsächlich nicht dort verbracht.

Hier und jetzt bei uns gibt es jedenfalls keine Kakerlaken, nur Fliegen, und Junior findet Deutschland inzwischen ganz klasse, weil es hier immer Salami und Eistee gibt, was will man mehr!

Montag, 29. August 2011

Deutschland hat uns wieder

Nach einem Finale Furiosum, wir haben nichts mehr anbrennen lassen zum Schluß, sind wir nun seit ein paar Tagen wieder in Deutschland.

Die letzten Tage in China waren geprägt von Packen und Packen und Packen. Während unsere Sachen verpackt und verladen wurden, sind noch ein paar Gesichter auf der Strecke geblieben, aber ich habe etwas dagegen, wenn ein Karton mit der Aufschrift "fragile" einfach so durch die Gegend geworfen wird. Das Packteam war zwar gut, aber beim Verladen waren sie nicht so gut, so daß ich einen gesamten Nachmittag neben dem Container verbracht habe, die Mücken haben sich gefreut....

Zum Ausgleich sind Junior und ich mit unserem letzten Besucher für zwei Tage nach Disneyland nach Hong Kong gegangen, wo wir den Streß ein wenig vergessen konnten, auch wenn es dort sehr heiß war.

Es war auch sehr heiß, als wir hier in Deutschland ankamen, und schon bekamen wir von Junior zu hören, Deutschland wäre nicht gut, hier gäbe es ja gar keine Klimaanlagen!
Wir haben ihm dann erklärt, daß Klimaanlagen in Deutschland normalerweise nicht nötig sind, das hat er eingesehen, zumal es bereits am nächsten Tag deutlich kälter wurde und geregnet hat.

Das war auch mal wieder was, einfacher Regen, keine Wassermassen wie im Süden Chinas, die alles überschwemmen, einfach nur Regen, der den Boden naß macht!

Auch sonst haben wir die ersten Erfahrungen mit Deutschland gemacht, der erste Preisschock im Supermarkt ist verdaut, nachts kann es kalt sein, Internet und Telefonanschluß lassen auf sich warten, der neue Kühlschrank wird erst fünf Tage nach Kauf geliefert, weil der Laden die Tour nur einmal pro Woche fährt und so weiter. Da fehlt uns doch das Service-Paradies China!

Jetzt ziehen wir erstmal ins neue Heim ein, der Lagercontainer muß ausgepackt werden, wir warten auf die Luftfracht, die Seefracht kommt wohl erst Anfang Oktober, je nachdem, wann das Schiff fährt.

So ganz zu Ende ist unser Abenteuer China also noch nicht, wird es auch nie sein, haben wir doch viele Erinnerungen mitgenommen, greifbare und gedankliche, wir haben Freunde zurückgelassen, die wir hoffentlich wieder irgendwann einmal besuchen können, wir haben es fest vor.

Freitag, 12. August 2011

Zwei Wochen

So, nun sind es nur noch zwei Wochen, dann sind wir wieder in Deutschland. Wie erwartet, flogen die letzten Wochen nur so dahin, es gab ja auch viel zu tun. In vier Tagen kommen die Packer und verpacken alles, was uns gehört, um es auf die große Reise zurück über den Ozean zu schicken. Wir sind mit den Vorbereitungen so gut wie fertig, am Wochenende werden die Koffer gepackt.
 
Kaum zu glauben, aber in zwei Wochen werden wir wieder Socken anziehen müssen, Unterwäsche nicht zu vergessen, lange Hosen. Wir haben hier nach wie vor über 30°C, während in Deutschland der Sommer dieses Jahr wohl ausfällt. Wer jetzt neidisch wird, sollte aber bedenken, daß hier die Luftfeuchte etwa doppelt so hoch ist wie in Deutschland und die Sonne vom Himmel brennt, anstatt zu scheinen. An ein Sonnenbad draußen ist nicht zu denken, ein einfacher Spaziergang läßt einen schon im eigenen Saft schmoren.
 
So hat alles Vor- und Nachteile, wie immer im Leben. In zwei Wochen sind die Vorteile Chinas Vergangenheit, dafür haben uns die Vorteile Deutschlands wieder. Gleiches gilt auch für die Nachteile, zum Glück oder leider, wie auch immer. Endlich wieder saubere, klare Luft, statt Dreck und Dunst jeden Tag, dafür darf man z.B. die Verkäufer im Kaufhaus suchen, statt daß man unaufgefordert gleichzeitig von dreien bedient wird, wie es hier der Fall ist.
 
Insgesamt überwiegt aber ganz klar die Vorfreude auf die Heimat, trotz allem damit verbundenen Streß und Ärger, endlich wieder daheim.
 
Achja, noch ein Grund zu gehen, fast vergessen: Juniors Klimaanlage schwächelt, die wird wohl auch bald ausfallen....

Dienstag, 2. August 2011

Das Beste kommt zum Schluß

In den letzten Wochen gab es viel zu tun für uns, entsprechend selten wurde der Blog gefüttert. Wir haben ausgemistet, aussortiert und einen letzten Urlaub gemacht. Es ging nach Singapur und Malaysia, wo wir noch mal ein wenig ausspannen wollten, bevor nun der Endspurt beginnt.
 
Die Flüge sind gebucht, für uns und die Katzen, die neue Adresse in Deutschland existiert auch schon, das Ende unseres dreijährigen Abenteuers in China naht mit Riesenschritten. Ein Ende haben wir denn auch schon erlebt: Hongkong.
 
Ich werde vermutlich mit Junior und unserem letzten Besucher, der am Samstag ankommt, noch einmal hinfahren, aber als komplette Familie werden wir dort erstmal nicht mehr weilen. Und so haben wir uns zum Abschluß etwas ganz Besonderes gegönnt und eine Nacht fast schon in den Wolken von Hongkong verbracht.
 
Ich weiß nicht, ob es das höchste Hotel der Welt ist, das höchste von Hongkong auf jeden Fall: Das Ritz Carlton, neu erbaut und eröffnet erst im Frühjahr diesen Jahres. Die Aussicht von dort oben, etwa 500m über dem Meer, ist gigantisch. Es war das erste Mal, daß ich in Hongkong das Hotel von Einchecken bis Auschecken nicht wieder verlassen habe, um irgend etwas zu besorgen.
 
Wir sind entweder im Zimmer an der Scheibe geklebt, um diesen grandiosen Blick in uns aufzusaugen, oder wir waren im Pool ganz oben im 118. Stock und haben von dort diese wahrlich atemberaubende Aussicht genossen. Wir wurden verwöhnt mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen von knapp über 30°C.
 
Es war ein Aufenthalt, den wir so schnell nicht vergessen werden, Frühstück mit Blick auf den Victoria Harbour und die gesamte Stadt Hongkong, die Stadt, vor der ich am Anfang so wahnsinnigen Respekt hatte, die Stadt, die ich jetzt so wahnsinnig vermissen werde. 
 
Ich kann es nicht genau sagen, warum ich Hongkong so liebe, es beginnt mit Gummibärchen und Salzstengeln, die nach langer Abstinenz endlich gefunden wurden, die Freude über eine Flasche Malzbier im Supermarkt-Regal, natürlich die grandiose Skyline, das quirlige Leben in der Stadt, die Märkte, die Berge zum Wandern, die Buchten am Meer, Häuserschluchten und Parks, Natur mitten in der Stadt. Man steht in einer Straße und bestaunt die luxuriösen Läden von Louis Vuitton und Co der oberen Zehntausend, dann geht man um die Ecke und steht mitten im Leben der unteren Zehntausend, zwischen Hunderten von Ayis, die sich jeden Sonntag auf den Straßen in Central treffen.
 
Auf der einen Seite hängen die glänzenden hochpolierten Werbeschilder, auf der anderen Seite abenteuerliche Elektroinstallationen und frisch gewaschene Wäsche über den Straßen der Stadt. Dazwischen fahren die roten Taxis und die Trams, während unter der Erde weitere Tausende von Menschen in der U-Bahn fahren und in der Stadt unter der Stadt leben und arbeiten.
 
Dies ist alles nur ein kleiner Ausschnitt und sicher unvollständig. Hongkong ist einfach Leben, Hongkong ist ein Teil meines Lebens geworden, den ich nur sehr ungern verlasse und den ich nie missen möchte.
 
Und so sind wir mit Wehmut im Herzen zum Fährhafen gefahren, haben das letzte Mal unsere Fährtickets nach China gekauft, und sind nach kurzem Blick zurück und mit vielen Fotos und Videos "meiner" Stadt und noch viel mehr Erinnerungen im Herzen dennoch mit Blick nach vorn zu unserer letzen gemeinsamen Überfahrt aufgebrochen.
 
Ich werde Hongkong sicher wiedersehen, ich habe fest vor wiederzukommen, doch bis dahin kann ich für unseren letzten Hongkong-Aufenthalt wirklich sagen: Das Beste kam zum Schluß!